Mein Offener Brief an den Landrat des Kreises Pinneberg bezüglich der Quarantäne-Strategie des Kreisgesundheitsamtes vom 21. Oktober 2020



Sehr geehrter Herr Landrat,

mit diesem offenen Brief wende ich mich als Vater zweier Kleinkinder an Sie, mit der Bitte, die Quarantäne-Strategie Ihres Kreisgesundheitsamtes zu überprüfen.

Anlass hierfür sehe ich in dem Umgang des Kreisgesundheitsamtes mit einzelnen Infektionsfällen in Kindertagesstätten.

In einer Pressemitteilung Ihres Hauses vom 13. Oktober 2020 bezüglich eines Corona-Falls in einer Kita heißt es:

„Die insgesamt 20 Kinder und 6 Mitarbeiter*innen müssen vorsichtshalber in Quarantäne.“

Kleinkinder in einem demokratischen Rechtsstaat „vorsichtshalber“ mit Hausarrest (Quarantäne) zu belegen, sehe ich als sehr problematisch an. Zumal wenn diese getestet wurden und nachweislich nicht infiziert sind.
Ihr Vorgehen begründen die Gesundheitsämter oft mit Empfehlungen des Robert Koch-Instituts (RKI), welches sich in der Corona-Krise bekanntlich nicht durch besondere Expertise ausgewiesen hat.
So fand man Ende März 2020 auf der Internetseite des RKI noch den Hinweis, dass Aerosole bei der Übertragung des Corona-Virus keine Evidenz haben. Mittlerweile ist man schlauer. Und mittlerweile ist auch bekannt, dass Kleinkinder keine sogenannten Superspreader (vulgo: Virenschleudern) sind und dass es in Kindertagesstätten noch keine größeren Ausbruchgeschehen gab, obwohl diese seit Mitte Juni 2020 wieder geöffnet sind.

Sollte das Kreisgesundheitsamt seine Quarantäne-Strategie beibehalten, bedeutet dies, dass Kindertagesstätten nicht mehr ein Hort für unsere Kinder sind, sondern ein Ort, an dem sie ständig von Quarantänemaßnahmen bedroht sind.

Ein Beispiel hierfür ist der Fröbelkindergarten in Wedel. Dort wurden im September nach einer bei einem Kind festgestellten Corona-Infektion rund 130 Kinder und 30 Mitarbeiter in Quarantäne gesetzt.
Nachdem vergangene Woche eine Mitarbeiterin positiv getestet wurde, wurden erneut Quarantänemaßnahmen angeordnet. Überzogener maßen könnte dies für die kommenden Monate bedeuten:
14 Tage Quarantäne – ein Tag Kindergarten- wieder 14 Tage Quarantäne – etc.

Das kann nicht die Lösung sein.

Eine Lösung die ich für praktikabel halte:
Beim Auftreten eines Corona-Falls in einem Kindergarten die Betreuung der betroffenen Kohorte für den Quarantänezeitraum einstellen, die Kinder testen und bei negativem Testergebnis keine Quarantäne anordnen, so dass es den Eltern zumindest möglich ist, mit ihren Kindern draußen einen Spaziergang zu machen. Denn im Quarantänefall dürften Kinder ja noch nicht einmal im eigenen Garten spielen, sofern dieser überhaupt vorhanden ist.

Sollte das Kreisgesundheitsamt seine Vorgehensweise der „vorsorglichen“ Quarantäne beibehalten, hoffe ich, dass die meisten betroffenen Eltern dagegen Widerspruch beim Verwaltungsgericht einlegen werden. (Das man dieses Recht hat, wird öffentlich leider nicht kommuniziert.)
Das künftig vermehrt Gerichte entscheiden müssen, ist eine Entwicklung, die hoffentlich nicht nur ich bedauern würde, aber ja bereits schon in anderen Bereichen des öffentlichen Lebens ihren Lauf nimmt.

Ich denke, dass der Kampf gegen Corona nicht in den Kindertagesstätten entschieden wird und bin der Auffassung, dass die Eigenverantwortung der Bürger ein wesentlicher Faktor ist.

Mit freundlichen Grüßen